[campaigns] Krempl: Der lange Weg ...

Inke Arns inke@snafu.de
Mon, 07 Jan 2002 14:25:17 +0100


[danke, volker, fuer den hinweis, ich sollte oefters mal in telepolis
reinschauen ;) - gruss, inke]

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Der lange Weg zur europ=E4ischen Cyber-Rights-Union

Stefan Krempl   01.01.2002=20
Hacker und NGOs machen mobil gegen Big Brother und Netz-Zensur=20
Telepolis <http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/11471/1.html>


Das am Samstag zu Ende gegangene  Hackertreffen, zu dem der Chaos Computer
Club (CCC) nach Berlin geladen hatte, war =FCberschattet von der
Verabschiedung einer ganzen Reihe neuer Gesetze im Rahmen der
Anti-Terrorismus- und Cybercrime-Bek=E4mpfung (Hacking is Not a Crime). Mit
Sorge beobachten die sich f=FCr die Informationsfreiheit einsetzenden
Technik-Freaks zudem die D=FCsseldorfer Bestrebungen zur Internet-Zensur (Di=
e
Frohe Botschaft des Herrn B=FCssow) und harren angespannt der Dinge, die mit
der Umsetzung der neuen Urheberrechtsrichtlinie der EU auf die
Napster-verw=F6hnten Verbraucher zukommen.=20

Eines der Hauptanliegen der Veranstalter des 18. Chaos Communication
Congresses war es daher, neue Allianzen f=FCr die Rechte der Netzb=FCrger zu
schmieden. Ein besseres "Campaigning" streben die Hacker und gleich
gesinnte Non Governmental Organizations (NGOs) daher an - Werbe- und
Medienkampagnen, mit denen endlich die breite =D6ffentlichkeit mobilisiert
und =FCber die Folgen der beschlossenen oder anstehenden Gesetzeswerke und
Kontrollma=DFnahmen aufgekl=E4rt werden soll.=20

Der ganze dritte Congresstag stand daher ganz im Zeichen des Brainstormings
europ=E4ischer Netzaktivisten. Dem CCC schwebt demnach in Kooperation mit de=
r
britischen B=FCrgerrechtsorganisation  Statewatch, Vertretern der Global
Internet Liberty Campaign (GILC) und anderen Datenschutzvereinigungen der
Aufbau einer "Cyber-Rights-Union" zum Schutz der Privatsph=E4re vor.
Mittelfristiges Ziel ist es, ein B=FCro in Br=FCssel f=FCr das Lobbying auf =
der
EU-Ebene aufzubauen. Die Pl=E4ne sind allerdings noch ganz im=
 Anfangsstadium.=20


Hacktivismus f=FCr die Wissensfreiheit=20

Tastende Versuche in Richtung besserer =D6ffentlichkeitsarbeit kennzeichnete=
n
auch den Kampagnen-Workshop "Offene Kulturen und Freies Wissen", mit dem
der schon tot geglaubte Berliner Vernetzungsverein mikro sein Comeback
ank=FCndigte. "Wir wollen die =C4nderungen bei den Urheberrechtsgesetzen auf
l=E4ngere Zeit hin verfolgen", erkl=E4rte die Netzaktivistin Inke Arns.
Momentan sei zu bef=FCrchten, dass auf politischem Wege Freiheiten, die das
Urheberrecht in den analogen Medien noch gew=E4hrt, ausgeschaltet werden
sollen. Dabei gehe es haupts=E4chlich um die Durchsetzung von
Verwerterrechten der Medien- oder der Softwareindustrie, nicht um die
Interessen der eigentlichen Urheber.=20

Um die Menschheit =FCber das moderne Raubrittertum der Konzerne an der
Wissensallmende und technische G=E4ngelungen der Nutzer durch Digital Rights
Management (DRM) aufzukl=E4ren, hat mikro sich an einer Reihe
=F6ffentlichkeitswirksamer Kampagnen anderer NGOs  inspirieren lassen
(Digitale Rechte und ihre Manager. Vorbilder sehen die Berliner etwa in den
Schockmarketing-Praktiken der aus Wien stammenden Manager der Agentur
ubermorgen (Schock-Marketing), die im vergangenen Jahr in den USA einen
gro=DFen Mediencoup mit der Wahlstimmen gegen Geld tauschenden Plattform
Voteauction.com landen konnten.=20

Aber auch mit Preisverleihungen im Stile des Big Brother Awards), der von
der  Deportation Class am Beispiel Lufthansa/Condor abgeschauten
Imageverschmutzung von Firmen (Staatsschutz wittert Terror im Netz oder
gezielten (Des-) Informationskampagnen a la Superweed lieb=E4ugeln die
Verfechter des freien Wissensaustauschs. "Es geht darum, Medienviren zu
verbreiten", sagt Inke Arns. Erg=E4nzt werden soll die Palette der
Aufmerksamkeitserregungsmittel durch klassische Methoden des Hacktivismus
(Widerstand aus dem Cyberspace). Vorbilder sind die Gruppen RTMark und Yes
Man, die f=FCr Webseitenimitationen wie  Gatt.org verantwortlich zeichnen
(Gatt.org bleibt vorerst im Netz).=20


Sie haben Post=20

Die genaue Vorgehensweise soll nun =FCber die obligatorische Mailingliste
diskutiert werden, deren Adresse mikro auf seiner Site ver=F6ffentlichen
will. So gut wie "verabschiedet" wurde dagegen bereits die Idee eines
Schweizer Hackers, die eine Konzernkampagne subversiv umdeutet: Microsoft
hatte k=FCrzlich Briefe an Gesch=E4ftskunden verschickt und sie darin der
Verwendung von nicht lizenzierten Kopien bezichtigt. In =E4hnlich
schockierendem Stil k=F6nnte man auch ausgew=E4hlte Nutzer anschreiben, so d=
er
Vorschlag, sie auf die Verwendung raubkopierter Software, Videos und Songs
hinweisen und so f=FCr das Thema sensibilisieren. Schlie=DFlich plane die
Industrie nichts anderes, als fast alle g=E4ngigen Nutzerpraktiken zu
kriminalisieren.=20

Ein dritter, von s=FCddeutschen CCC-Mitgliedern ins Leben gerufener
Arbeitskreis will sich f=FCr die Rezipientenfreiheit im Internet und gegen
die Kampagne des D=FCsseldorfer Regierungspr=E4sidenten J=FCrgen B=FCssow zu=
r
Sperrung amerikanischer Websites stark machen. Als virtuelle
Planungsplattform soll die Homepage des Zensurgegners  Volker Birk dienen.
Einige konkrete, die Fertigkeiten der Hacker gezielt einsetzenden Ideen
wurden w=E4hrend des Workshops auch hier bereits entworfen.=20


Achtung, Umleitung=20

So k=F6nnte es durchaus passieren, dass Besucher der virtuellen Filiale der
D=FCsseldorfer Bezirksregierung demn=E4chst ganz unvermutet auf der von B=FC=
ssow
auf den Index gesetzten Site  www.rotten.com landen k=F6nnten. Au=DFerdem so=
ll
die von einzelnen Providern in Nordrhein-Westfalen bereits implementierte,
aber leicht umgehbare  DNS-Sperre durch ein automatisches Plug-in
ausgehebelt werden. Ein solches Programm wollen die Hacker notfalls =FCber
eine Erweiterung f=FCr das Mailprogramm Outlook automatisiert und Virus-arti=
g
im Netz verbreiten.=20

Der Anti-Zensur-Workshop zeigte allerdings gleichzeitig, dass die
Freiheitsk=E4mpfer dringend juristischen Beistand ben=F6tigen. So hatten die
meisten Teilnehmer =FCber die rechtlichen Grundlagen der von B=FCssow ins Sp=
iel
gebrachten Sperren keinen blassen Schimmer. F=FCr den Aufbau einer =FCber
Hacker-Tricks hinausgehenden Argumentationsbasis sind demnach noch einige
juristischen Grundsatzrecherchen im Bereich Medien- und Internetrecht n=F6ti=
g.=20




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