[campaigns] sorry (Auto-Anschlusskommunikation)

Peter C. Krell designs@suct.com
Fri, 08 Mar 2002 00:48:28 +0100


em,
ich glaube, es ist mir heute morgen ziemlich gut gelungen, etwas
darzustellen, was man als "autokratischen Entwurf" betiteln duerfte.
Wem das zu unorthodox war, dem sei die Bemerkung nicht erspart, dass eben
auch aus Fehlern zu lernen ist. Irregularitaeten am Rande des Systems
brechen in die hermetische Gesamt-Struktur eines an und fuer sich
geschlossenen Zirkels ein und stellen nach Art und Umfang ihrer projizierte=
n
Bruchstuecke Fragmente einer Kritik, die an ihren Enden soetwas wie
Wahrheitschangen beinhalten.
Diese mit zu beruecksichtigen erscheint aeusserst fragwuerdig und dennoch
koennten solchen Unkonventionalitaeten im Formverstoss dennoch genau dort
anfangen, wo ein System der Sprache und der Schrift sich nicht in die Krise
geworfen begreift.

Der Punkt ist aber hierbei, dass die Kritik der Schrift als eine
autokratisch verstandene Eben ihr sie hervorbringendes formulierendes
Individuum in Frage stellt.
Zur Generierung eines neuen, umfangreicheren, aussagekraeftigeren System
aber liesse sich darueber nachdenken, ob die bestehenden Formen des
Copyrights das interdiszipinaere und zugleich crossmedial gewordene Denken
nicht um neue Moeglichkeitsbereiche beschneiden. Dafuer sind nicht nur
Teleteaching Versuche an der HU ein Indiz sondern auch die real nicht
vorhandene Ubiquitaet aehnlicher Ansaetze.

In wie fern die Legastheniker einer nachtheoretischen Nachschriftkultur ggf=
.
nach zeitgemaesseren Ansaetzen des Selbstausdrucks suchen und in neuen
Ausdruckssystemen genaus das wiederholen, was den traditionellen bereits
vorgeworfen wurde, kann nur vermutet werden. Fakt ist, dass es einen
wesentlichen Unterschied darstellt, rein formal betrachtet, in China,
Arabien oder Europa des Lesens und des Schreibens nicht maechtig zu sein,
allein da die formalen Systeme unterschiedlich sind und jeweils auf
unterschiedliche zum Teil religioes begruendete Wurzeln zurueckblicken. Wie
will man da einheitlich argumentieren? Allein schon ein europaeisches Recht
wird schwer zu formulieren sein, es sei denn, man definiert dieses Recht un=
d
damit auch das Copyright irgendwie technisch aber wird es dann noch dem
Menschen gerecht werden und was bitte ist dies: der Mensch?

Gleichzeitig laesst sich ein rigide formuliertes Copyright, gerade im
nachdigitalen Zeitalter, als Denkbremse verstehen, was als konservativ
gedachter Mechanismus in einer kybernetisch dynamisierten Gesellschaft
sicherlich einen Sinn ergibt, im Umfeld eines global angenommenen Wissensga=
u
aber im Tal der Ahnungslosen zurueck und diesmal wahrhaftig nachsprachliche=
n
Unmuendigkeit fuehrt.

Kann man sich vorstellen ein Algorithmus faende angesetzt bei der Deutschen
Welle alle homophonen Klaenge in allen dort archivierten Klangmaterialien
heraus, katalogisierte diese und braechte soetwas wie ein Katalog der
globalen Missverstaenisses zur Welt, oder beginnt gerade hier die
Medialitaet zwischen organischem Trash, Migrationshybriden und
Hochkulturreliquien?

Als Nachklang zum Copyright, welches es genaugenommen in Deutschland gar
nicht gibt (hierzulande gibt es nur das s.g. "Urheberrecht"), sei gesagt, e=
s
ist schon spaet, von daher ist es muessig aber auch langweilig, diese Frage
a.) ausgibig auszufuehren und zu fragen, ob es nach dem ganzen Zynismus der
"Copyleft"-Polysemien nicht eines neuen Begriffs bedarf, zumindest fuer die
Deutsche Diskussion, z.B. "Urshenkerrecht" und b.) ob dies nicht sowieso
allen klar ist und daher die Kritik dieser Begriffsfindungsdenkgesten nicht
viel zu sehr im antiquierten Repertoire der Schrift-Sprachsysteme nach ihre=
r
Erloesung fischt, als vielmehr im crossmedialen interdisziplinaeren Umfeld
zu schauen, welches einem aber nichtzuletzt aufgrund von Zugangsproblemen
und Zeitoekonomien immer verschlossen bleibt.
=20
Kafka schreibt "Beim Bau der chinesichen Mauer": (Ges. Werke, S.344)
"HIer einen Tadel ausfuehrlich begruenden, heisst nich an unseren Gewissen =
,
sondern, was viel aerger ist, an unseren Beinen zu ruetteln. Und darum will
ich in der Untersuchung dieser Frage nicht weiter gehen."


Vielleicht kann irgendwer dazu mehr sagen, als Kafka zum chinesischen
Mauerbau oder Francis Kuntz (franzoesischer Reporter) kuerzlich in einem
Interview des Pariser Technikart Magazins (Mars 2002, S.66) ueber den
Seinsmangel der Journalisten:
"Le grand default des journalistes, c=B4est le manque des d=E9ontologie."

Ich waere da sehr dankbar.
In diesem Sinne,
Peter C. Krell =20