[netzmagazin] Protokoll des 1. »Netzmagazin« - Treffens am 01.02.2004

heike borowski borowski at zkm.de
Die Feb 24 11:39:52 CET 2004


Protokoll des 1. »Netzmagazin« - Treffens
Datum: 01.02.2004
Ort: bootlab, Berlin
Teilnehmer: Heike Borowski, Sascha Brossmann, Vali Djordjevic, Susanne 
Gerber, Armin Medosch, Steffen Pachali, Thomas Thaler,
Tagesordnung: 1. Vorstellungsrunde, 2. Motivation/ Erwartungshaltung, 3. 
konkrete Schritte 4. Fazit

1. Vorstellungsrunde ::
Steffen: kommt aus dem Printbereich und gibt an, weniger technischen 
Hintergrund zu haben und deshalb nicht zur technische Realiserung 
beitragen wird/möchte
Susanne: Künstlerin
Valie Djordjevic: Medienarbeiterin, u.a. bei mikro.org, schreibt für 
diverse Medien über Netzkultur, moderiert eine Mailingliste für 
Medienkünstlerinnen
Sascha: Kommunikationsdesigner
Armin: Medienkünstler und -theoretiker
Thomas: arbeitet fürs Radio
Heike: arbeitet im online-journalistischen Bereich

2. Motivation/ Erwartungshaltung ::
Steffen: ist v.a. an inhaltlichen Dingen interessiert und möchte 
Textbeiträge leisten.
Susanne: möchte ausgehend von ihrem künstlerischen Hintergrund eine 
online-Plattform dazu nutzen, Erfahrungswerte zu publizieren. Susanne 
hat sich ausserdem bereit erklärt, ggf. das Redaktionssystem zu betreuen.
Vali: schwebt eine Form von Journalismus vor, der sich zwischen 
Literatur und Austausch bewegt und sich weniger auf theoretische 
Diskurse bezieht und mit dem Medium Internet entsprechenden 
Schreibformen experimentiert. Als Vergleich nennt sie amerikanische 
Magazine und den New Journalism der 60er und 70er Jahre.
Sascha: verfolgt keinen klassischen Magazingedanken, eher einen 
mediengerechteren, sozialen »Denkraum« für einen zu sehr 
marginalisierten Diskurs.
Armin: vermisst im deutschsprachigen Raum eine Plattform, in deren 
Kontext er gerne publizieren möchte.
Thomas: hat ebenfalls Interesse, inhaltlich beizutragen.
Heike: 's Vorstellung geht in Richtung online-Plattform für theoretische 
Diskurse auf relativ hohem Niveau, um sich deutlich von anderen 
»Splitterfraktionen« abzuheben.

3. konkrete Schritte ::
Sascha stellt den Prototyp für eine mögliche System-/Informationsarchitektur
plus Interface vor (*), die er parallelel als Projekt an der Kunsthochschule
Berlin-Weissensee [KHB] bearbeitet. Über einen Rechner, der mit am 
Anschluss der
KHB hängt, steht vorerst auch Serverplatz für das Netzmagazin zur Verfügung.

(*) Die sehr detaillierte Präsentation findet sich angehängt am Ende des 
Protokolls.

Die Frage wird diskutiert, wie »offen« die Plattform sein soll bzw. in 
welchem Rahmen sie erweiterbar ist. Armin nennt das Beispiel 
»telepolis«, aus dessen Forum heraus sich Autoren etabliert haben. Für 
das Netzmagazin nennen die Beteiligten die Möglichkeit eines 
usergestützten Bewertungssystems, ausserdem Ankündigungen, 
Artikelvorschläge, news usw. Die Linkstruktur soll das Prinzip eines 
»Echtzeitchats« aufweisen.

Die Themen tendieren in der Diskussion in Richtung netzpolitische 
Nachrichten bzw. einer Mischung aus diesen mit allgemeinen Kulturthemen. 
Das Stichwort »Offenheit im Netz« fällt, die Zielgruppe scheint zunächst 
sekundären Charakter zu haben, sollte aber wohl über ein reines 
Fachpublikum hinausreichen.
Es geht auch darum, nicht nur die Insider anzusprechen, sondern auch 
Leute, die keine Experten sind, aber trotzdem Interesse an 
netzkulturellen und netzpolitschen Fragen haben. Das heißt auch eine 
Sprache zu finden, die solche Menschen nicht ausschließt.

Valie merkt an, dass man sich nicht in formalen Fragen verlieren soll. 
Wenn das Netzmagazin beim Publikum erfolgreich sein soll, wird es 
hauptsächlich daran liegen, dass man täglich - wie Armin aus der 
Erfahrung von Telepolis gelernt hat - interessante und gut zu lesende 
Inhalte anbietet.

In Bezug auf das Autorenprofil herrscht Einstimmigkeit: Keine 
Netzanonymität, keine Unpersönlichkeit [öffentliche Profile etc], 
potenzielle »Nur-Geldverdiener« sollen vorerst ausgebremst werden.

Armin vertritt den Standpunkt, dass die Kerngruppe ihre Arbeit vorerst 
eher als Forschungsarbeit und »feasibility study« verstehen sollte und 
nicht als Versuch, gleich das Netzmagazin auf die Beine zu stellen. Als 
Zielsetzung hierfür nennt er eine Förderung durch Drittmittel, die auch 
die Tatsache ermöglichen würde, sich in Form von Workshops o.ä. 
weiterhin/ öfter im realen Raum treffen zu können. Teil dieser »Studie« 
sollte die Erstellung einer Analyse der vorhandenen Netzmagazine im 
deutsch- und englischsprachigen Raum sein. Die Ergebnisse der Recherche 
sollen in das Konzept für den Realisierungsprozeß eines neuen Magazins 
einfließen.

4. Fazit ::
Nächster wichtiger Schritt ist ein Antrag auf Fördermittel, wofür ein 
hieb- und stichfestes Konzept notwendig ist. Valie erklärt sich bereit, 
sich unter ihren Kontakten umzuhören, wie sich Möglichkeiten der 
Förderung darstellen könnten. Ein nächstes Treffen für Ende Februar/ 
Anfang März wird vorgeschlagen [wann??], wobei die Frage nicht geklärt 
wurde, ob zunächst weiter konkret an Inhalten oder der Struktur 
gearbeitet werden sollte.

* * * * * * * * * * *

(*)
Sascha Brossmann ::

Das System ist im Wesentlichen dynamisch und objektbezogen aufgebaut, 
stellt den
Nutzer und seine Aktivitäten [für alle Mitnutzer in quasi-Echtzeit 
erfahrbar,
d.h. sichtbar] in den Mittelpunkt und verfolgt ansonsten den 
Grundgedanken eines
selbstregulierenden sozialen 2,5-dimensionalen Raums, gleichzeitig den eines
Werkzeugs zum Denken. Der Zugang zu den Beiträgen erfolgt über eine 
dynamische
Karte, die die Beiträge gewissermassen als "Partikel" darstellt und die sich
entsprechend frei festlegbarer Suchkriterien [funktionieren als 
"Attraktoren"
für die Partikel] visuell strukturieren lässt. Der Entwurf sieht vor, 
anhand von
wikimässig editierbaren Metadaten [wie Stichworte, Synopse, Links,
Kommentare/Ergänzungen], die in einem Standardformat [RDF/OWL] codiert 
werden, alle Magazinbeiträge untereinander dynamisch zu vernetzen 
[kontextualisierung], und diese Beziehungen räumlich/visuell erfahrbar 
zu machen. Ausserdem soll die Benutzerin den eigenen Weg durch das 
Magazin nachverfolgen können. Auf der makrokosmischen Ebene der Karte 
werden Detailinformationen dynamisch eingeblendet. Die Beiträge stellen 
jeweils einen Mikrokosmos innhalb dieser Karte dar.

Zu jedem Beitrag gibt es: eine »Umgebungskarte«, einen Chat [mit begrenzter
Speicherkapazität], ein mini-Wiki für Anmerkungen, eines für die 
Metadaten, und
wer mehr zu sagen hat, kann natürlich auch längere Beiträge einreichen
[kollektiv moderiert/gefiltert]. Das führt in der Konsequenz zu 
mindestens vier
auf einander aufbauenden und sich ergänzenden Partizipationsstufen mit 
jeweils
möglichst geringen Hindernissen.

Die Struktur stellt bei dem jetzigen Stand der Dinge in Bezug auf die
Einzelkomponenten keine revolutionäre »Neuerfindung« dar [siehe z.b. 
Arbeiten
wie Web Stalker, sinnzeug, cast 01 semantic map [netzspannung.org], project
triangle, minitasking etc.], sondern versucht das beste aus bereits 
bestehenden
und zumindest teilerprobten Ansätzen [Wiki, Blog, Chat, Aggregation, 
Mapping,
Semantic Web, Organic Information Design etc.] zu ziehen, deren 
Neukombination
allerdings Kommunikationsmöglichkeiten eröffnet, die sie im einzelnen so 
nicht
besitzen.

Für den Benutzer stehen ansonsten auch noch eine Reihe Werkzeuge zur 
Verfügung, v.a. zum Abspeichern von »Sitzungen«/Suchmaps, zur 
Konfiguration, für Notizen etc.

Die Implementierung des Interface sollte als Java-Applet [als Alternative zu
Flash] erfolgen. Wer's nicht mag, kann sich aber auch selber eine 
alternative
Schnittstelle zurechtzimmern, da alle Daten vom Backend bzw. vom 
Präprozessor
[der für die Verlinkung/Kontextualisierung sorgt] in offenen, 
standardisierten
Formaten [xml/rss] geliefert werden. Eine grösstmögliche Modularität 
wäre hier
erstrebenswert.

Weitere Ausführungen erfolgen demnächst online [inkl. Bilder]. Da sich 
eine klassische Redaktionsarbeit schwer realisieren lässt, schlagen 
mehrere Anwesende eine Moderation vor, um Fälle von Vandalismus oder 
Hacking zu vermeiden