[rohrpost] die trolle und der koboldjungen (gbraun)

felicia F.Herrschaft at soz.uni-frankfurt.de
Mon Okt 6 23:39:51 CEST 2003


n dem Vorratshaus des kleinen Bauernhofes am Waldrand wohnten drei
kleine Kobolde, Tjarfa, Torgus und Tjovik. Sie waren kaum mehr als eine
Viertelelle lang und gehörten einem alten Koboldgeschlecht an, das schon
über neunhundert Jahre auf dem Hof lebte. Das Anwesen hatte viele Male
den Besitzer gewechselt. Die alten Menschen waren fortgegangen, und an
ihre Stelle waren neue gekommen. So war es Geschlecht auf Geschlecht
Jahrhunderte hindurch gewesen. Aber die Koboldfamilie blieb treu wohnen,
und die Würde des Großkobolds oder Hauskobolds auf dem Hof vererbte sich
vom Vater auf den Sohn.

Es war Weihnachtsabend und großer Festschmaus dort unten im Vorratsraum.
Der alte Koboldvater, Tjarfa Jovikson, wurde in der Weihnachtsnacht
fünfhundert Jahre alt, und deshalb wurde gleichzeitig Geburtstags- und
Weihnachtsschmaus gehalten. Er war trotz seines hohen Alters munter und
rüstig, hatte die Hausherrngewalt aber kürzlich seinem Sohn, Torgus
Tjarfason, übergeben, einem Dreihundertjährigen im Vollbesitz seiner
Kräfte. Nun lebte der Alte auf dem Altenteil zwischen ein paar
Mehlfässern in einer Ecke des Vorratshauses.
Der jüngste kleine Kobold, Tjovik Torgusson, war ein Knirps von nur
hundert Sommern. Er hatte noch keinen Bart und reichte dem Vater kaum
bis zur Achselhöhle.
Der kleine Hof lag sehr schön zwischen Wiesenstreifen und mit Laubwald
bedeckten Hügeln. Zur einen Seite breiteten sich die Äcker aus, aber die
andere Seite bedeckte dichter, dunkler Wald.
Ein Stück im Wald lag der steile, felsige Fuchsberg, und dort wohnten
die Trolle Jåmpa und Skimpa. Jåmpa war der Trollkönig und lebte im Berg
und Skimpa war seine Frau. Lange bevor die Menschen in das Land gekommen
waren, hatten sie schon dort gewohnt, sie waren viertausend Jahre alt.

Zwischen den Kobolden und den Trollen hatte zu allen Zeiten bittere
Feindschaft geherrscht. Die Trolle waren groß und stark, die Kobolde
waren klein wie Puppen, aber gewitzt und in der Regel freundlich. Die
Trolle wollten den Leuten auf dem Hof manchmal Arges zufügen, und das
wollten die Kobolde nicht zulassen. Deshalb gab es ständig Streit
zwischen ihnen. Manchmal hatten die Kobolde die Oberhand, manchmal die
Trolle. Anders kann es nicht sein, wenn sich Kraft und Verstand
bekämpfen. Doch wer den Sieg davontrug, hing meistens von den Menschen
ab, die auf dem Hof wohnten.
Jetzt war also großer Festschmaus im Vorratshaus. Alle Kobolde aus der
Gegend waren eingeladen, und es ging fröhlich und lebhaft zu. Das
Vorratshaus war reichlich versehen mit allerlei Eßwaren. Es gab Äpfel
und Würzbrot und Schinken und Wurst auf dem kleinen Tisch, einer
umgedrehten Zuckerkiste. Die Leute auf dem Hof wußten sehr gut, wie
vorsichtig die Kobolde waren und daß sie niemals auch nur ein Körnchen
unnötigerweise verschwendeten.

"Großvater, jetzt mußt du die Geschichten von Jåmpa und Skimpa
erzählen", sagte Tjovik.
Und er krabbelte auf den Schoß des Alten und streichelte seinen langen
weißen Bart.
"Jaja, mein Kleiner", sagte der Großvater fröhlich. "Sitz nur still
jetzt, dann sollst du von alten Zeiten hören."
Alle Kobolde setzten sich auf ihren Plätzen zurecht. Einige lagen halb
auf dem Fußboden, die Hand unter der Wange, andere saßen auf umgedrehten
Anchovisdosen und baumelten mit den Beinen.
"Jaja", begann der alte Tjarva, "ihr werdet sehen, vor achthundert
Jahren, als mein Großvater Tarja Torgusson in seinen besten Jahren war,
da war Leben da oben auf dem Fuchsberg. Das war zu der Zeit, als das
Christentum im Land eingeführt werden sollte und die Leute dort in der
Ebene eine Kirche bauten. Aber davon wollten die Trolle natürlich nichts
wissen, und so rissen sie jede Nacht nieder, was die Leute am
vorhergehenden Tag gebaut hatten."
"Aber die Kirche wurde jedenfalls gebaut", sagte der kleine Tjovik.
"So ist es, mein Junge, und Tarja, mein alter Großvater, hat den Leuten
dabei geholfen. Er nahm eine Tüte mit Asche, wißt ihr, und kletterte auf
einen Baum neben dem Felsen. Als dann die Trolle in der Nacht
herauskamen, um Steine zu sammeln, die sie anschließend auf die Kirche
werfen wollten, blies er ihnen Asche in die Augen."
"Und da konnten sie die Kirche natürlich nicht sehen", riefen die
Kobolde entzückt.
"Nein, das konnten sie nicht. Das war vielleicht ein Geheul und Geschrei
bei den Trollen, als sie ihre Blöcke auf gut Glück werfen mußten und
kein einziger traf."
"Armer Jåmpa", kicherte der Koboldjunge.
"Nun da wurde die Kirche also fertig", fuhr der alte Tjarfa fort. "Der
Bischof weihte sie, und danach konnten die Trolle ihr nicht mehr
schaden. Aber umso schlimmer hausten sie im Wald unter Mensch und Tier.
Damals gab es Wölfe und Bären, die von den Trollen auf das Vieh der
Bauern gehetzt wurden. Und Großvater mußte ständig hin und her flitzen,
um den armen Leuten zu helfen."
"Haben die Trolle ihn nie erwischt?" fragte Tjovik.
"Doch, viele Male hatten sie ihn drinnen im Berg, aber er hat es immer
verstanden, sie an der Nase herumzuführen und zu entwischen. Manchmal
kam er schmutzig und mit zerrissenen Kleidern nach Hause, aber manchmal
brachte er soviel Gold mit, wie er tragen konnte."
"Haben die Trolle Gold im Berg?" fragte der Junge verwundert. Da fingen
die anderen Kobolde so herzlich an zu lachen, daß ihre Bärte hüpften.
"Man merkt, daß du noch ein Kind bist, kleiner Tjovik", sagten sie.
"Sonst wüßtest du wohl, daß der Berg voller Ringe und Spangen und
anderem Goldschmuck ist."
"Los!" rief der kleine Kobold entzückt. "Wollen wir nicht versuchen, ein
wenig von den Schätzen nach Hause zu schaffen? Die armen Leute hier in
der Gegend könnten schon ein wenig Flitterkram gebrauchen, um sich daran
zu erfreuen."
"Nein, nein, mein Kleiner", sagte der Vater verdrießlich. "das Gold, das
die Menschen von den Trollen bekommen, wird nie zum Segen. Es weckt nur
Hochmut, Faulheit und Verschwendung, Streit, Schlägereien und
Feindschaft. Das begriff mein Großvater schnell, und deshalb haben
sowohl mein Vater und ich als auch die anderen Kobolde hier in der
Gegend das Berggold in Ruhe gelassen."
"Ja, es ist wohl auch nicht so leicht, da heranzukommen", meinte Tjovik.

"Doch, in solch einer Nacht wie dieser geht es ziemlich leicht",
antwortete der alte Großvater. "In der Weihnachtsnacht holen die Trolle
ihre Schätze hervor, um sie zu zählen, und dann sind sie so eifrig
dabei, daß sie nichts hören und nichts sehen."
"Aber wie kommt man nun in den Berg?" fragte der Koboldjunge.
"In der Weihnachtsnacht gehen die Türen des Berges von selbst auf",
antwortete der Alte. "Aber wehe dem Armen, der dort bleibt, bis die
Glocken zum Frühgottesdienst läuten. Dann bekommen die Trolle Gesicht
und Gehör zurück, und dann wird man erwischt."
"Und ist dein Vater auch mal mit den Trollen in Streit geraten,
Großvater?"
"Jovik Tarjason! Ja, das will ich meinen. Einmal hing sein Leben nur an
einem Faden. Das war, als er auf dem Ochsen aus dem Berg ritt."
"Wie war denn das? Lieber Großvater, erzähl, erzähl!"
"Ja, also Skimpa hatte dem Bauern auf dem Hof hier einen Ochsen
gestohlen. Mein Vater wurde natürlich wütend und schlich sich in den
Berg hinein. Das ging wunderbar, denn die Trollalte hatte vergessen, die
Tür zu schließen. Da stand Jåmpa mit einer Axt vor dem Ochsen und wollte
ihn schlachten. Na, mein Vater, der war nicht bange. Er kletterte am
Schwanz auf den Ochsen hinauf und stach ihn mit einer Stecknadel in den
Rücken. Heisa! Der Ochse machte einen Sprung und stieß Jåmpa und Skimpa
mit den Hörnern, so daß alle beide auf den Rücken fielen. Und dann
sauste der Ochse zur Tür hinaus, mit meinem Vater auf dem Rücken."
Die Kobolde lachten so, daß zwei kleine Kobolde von den Anchovisdosen
herunterkullerten.
"Na, und du Großvater? Bist du einmal im Berg gewesen?" fragte Tjovik.
"Viele male. Aber ich habe niemals etwas anderes von den Trollen
genommen als das, was sie den Leuten geraubt hatten. Einmal kam ich mit
knapper Not mit dem Leben davon. Ich verlor die Zipfelmütze und die
Holzschuhe und kam schwarz wie ein Schornsteinfeger nach Hause."
"Wie bist du denn so schwarz geworden, Großvater?" "Ja, ich mußte doch
durch den Schornstein hinaus, weil alle Türen verschlossen waren."
"Da warst du genauso schlimm dran wie mein Bruder vor ein paar Jahren",
sagte einer der Kobolde.
"Wie war denn das mit ihm, Onkel?" fragte Tjovik.
"Ja, er wollte das geraubte Hütemädchen vom Granhultabauern suchen und
war noch im Berg, als der Hahn krähte und alle Türen zuschlugen. Es
blieb ihm nichts anderes übrig, als sich in die Bergquelle zu werfen und
sich von dem Strom tragen zu lassen, der unter der Erde fließt. Du
weißt, daß der Bach, der hier am Hof vorbeiführt, im Berg seine Quelle
hat. Der Ärmste hatte keinen trockenen Faden am Leib, als er nach Hause
kam."

Der kleine Kobold hörte dies alles mit größtem Interesse. Er wollte den
Trollen zu gern einen Armreifen oder eine Goldkette wegschnappen und sie
Anna-Lisa geben, der ältesten Tochter im Haus, die bald getraut werden
sollte. Sie war zu allen freundlich, und Tjovik wollte ihr etwas Gutes
tun.
Lange saßen die Kobolde und lauschten dem alten Tjarfa. Doch schließlich
wurden alle müde. Die Gäste gingen nach Hause. Der Großvater bettete
sich auf einem alten Handschuh zur Ruhe, der in einer Ecke herumlag, und
Torgus und Tjovik legten sich auf ein Katzenfell zwischen ein paar
Zuckerkisten.
Aber der kleine Kobold konnte nicht einschlafen. Er lag nur da und
grübelte darüber nach, wie er Anna-Lisa ein Schmuckstück aus dem Berg
beschaffen könnte, nur ein einziges. Das konnte ihr doch nicht schaden?
Die Menschen wurden wohl nur böse, wenn sie zuviel Gold bekamen.
Schließlich stand er auf, setzte die Zipfelmütze auf und zog die
Holzschuhe an, ergriff seinen kleinen Stock und begab sich in den Wald
hinaus.

Die Nacht war still und dunkel. Kein Stern blinkte am Himmel, und aus
den Häusern des Dorfes fiel kein einziger Lichtschein. Alles schlief den
tiefen, ruhigen Mitternachtsschlaf, nur vom Wald her ertönte ein paarmal
das langgezogene Heulen eines Fuchses.
Der kleine Kobold trippelte rasch weiter. Er hatte keine Angst vor der
Dunkelheit und kümmerte sich nicht um den Fuchs. Mit dreidaumenlangen
Beinen ist man nicht besonders schnell, aber der Knirps konnte drei
Schritte machen, wenn ein Mensch einen tut, und deshalb kam er auf jeden
Fall vorwärts. Nach einer Stunde war er am Fuß des Fuchsberges.
Hu, wie felsig und steil und hoch er aufragte! Kein einziger
Lichtstreifen drang aus den Felsspalten, aber von innen war Klingen und
Rasseln zu hören, als ob jemand mit Gold- oder Silbergeld klapperte.
Wartet nur, sagte der kleine Kobold und begann den Berg
hinaufzuklettern.
Es ging nicht schnell, aber es ging immerhin. Manchmal rutschte er ein
Stück zurück, aber er griff von neuem zu und kam immer höher hinauf.
Keuchend und verschwitzt gelangte er von Klippe zu Klippe, von Felsblock
zu Felsblock, schwang sich von einem Absatz auf den anderen und war bald
auf halber Höhe. Aus einem Gehölz in der Nähe ertönte der Schrei einer
Eule, aber Tjovik ließ sich nicht schrecken. Er wollte klettern, bis er
eine Öffnung fand, durch die er zu den Trollen hineinkommen konnte.
Da sah er schließlich aus einem kleinen Spalt im Felsen einen
Lichtschein. Er steckte seinen Stock in den Spalt und drückte ihn zur
Seite. Die Türangeln mußten wohl gut geölt worden sein, denn die Tür
ging sacht auf, ohne daß ein Laut zu hören war.

Der Knirps kam jetzt in einen großen Saal. Wände und Decke waren aus
schwarzem, rauhem Gestein. Hier und da lagen Knochen großer Tiere auf
dem Boden, und an den Wänden hingen rostige Waffen.
"Hu, hier ist es unheimlich", sagte de Kobold-Knirps und ging weiter.
Da kam er an eine neue Tür, die aus Kupfer zu sein schien. Sie ging
genauso leicht auf wie die erste, und nun gelangte Tjovik in einen neuen
Saal. Hier lagen Haufen von Silbergeld an den Wänden, aber kein einziges
lebendes Wesen war zu sehen.
Der Koboldjunge blieb verwundert stehen und schaute auf die
Silberhaufen.<BR< ..."öüü"ä"ö" Er ging leise auf die Silbertür zu und
öffnete sie. Und was bekam er da zu sehen! Mitten auf dem Fußboden stand
eine offene Kiste, und neben ihr saßen zwei Trolle und klirrten mit
Goldringen, Armbändern, Perlen und Edelsteinen. Sie waren so damit
beschäftigt, ihre Schätze in der Kiste zu zählen, daß sie es weder
hörten noch sahen, als Tjovik hereinkam.
An der einen Seite des Saales befand sich eine Quelle, aus der das
Wasser unter die Wand und in die Erde strömte. Am Rand lag ein
geborstener Holzschuh, der mit einer Schnur an der Wand festgebunden
war, daß er nicht fortschwimmen konnte.
Diesen unförmigen Holzschuh hat Skimpa in die Quelle gesetzt, damit der
Riß dicht wird, sagte Tjovik zu sich selbst. Wer weiß, ob ich nicht in
diesem Boot von hier wegsegele, falls die Türen geschlossen werden
sollten.
Leise und vorsichtig ging er zu der Kiste. Aber die war so hoch, daß er
nicht bis zum Rand reichte. Er reckte und streckte sich, so sehr er
konnte, und im gleichen Augenblick, da ..., ja, nun sollt ihr es
erfahren.

Jåmpa und Skimpa mußten auf einmal niesen. Du meine Güte, so stark, daß
der Berg erdröhnte! Der Luftzug war so kräftig, daß der kleine Kobold
wie ein Handschuh durch die Luft flog und kopfüber auf das Gold in der
Kiste fiel.
Ach, nun geht doch alles schief, dachte Tjovik und umklammerte den
Stock, um sich gegen die Trolle zu verteidigen.
Doch die goldgeblendeten Trolle hatten ihn nicht gesehen. Sie zählten
und zählten nur. Der Knirps sah sich zwischen all dem Gold um. Und er
wählte eine Kette aus, die gerade lang genug als Halskette war, und
versuchte dann auf den Rand der Kiste zu klettern, um von dort auf die
Erde springen zu können.
Da begannen im gleichen Augenblick die Kirchenglocken zum
Frühgottesdienst zu läuten. Beide Trolle sprangen auf und steckten sich
die Finger in die Ohren. Alle Türen des Berges fielen ins Schloß, und
der Kistendeckel schlug über dem Gold und dem kleinen Kobold zu.
Ja, da saß er nun wie eine Maus in der Falle. Aber er gehörte nicht zu
denen, die gleich den Mut verlieren.
Wenn ich nur die Trolle dazu bringen kann, die Kiste wieder zu öffnen,
dann wird sich schon Rat finden, dachte er.
Und er hielt den Mund an das Schlüsselloch und pfiff wie eine Maus.
"Wir haben eine Maus in der Kiste, Vater", sagte die Trollalte.
"Die muß da sitzen bis zum nächsten Weihnachtsabend", sagte der Troll.
"Dann frißt sie Löcher in die Kiste, Väterchen", sagte die Alte.
"Da kannst du recht haben, Mütterchen", sagte der Alte.
Und er öffnete die Kiste und sah den Koboldknirps and der Kante sitzen.

"Ja du bist mir ja eine lustige Maus", sagte er und lachte so, daß der
Bauch wackelte. "Was bist du für ein Luftikus?"
"Ich bin Tjovik Torgusson, der Koboldjunge vom Hof", sagte der Knirps
keck.
"Ha, ha, ha! Hi, hi, hi! Ho, ho, ho!" lachte der Trollalte, während er
den Knirps zwischen Daumen und Zeigefinger nahm. "Du wirst eine nette
kleine Nachspeise nach dem Weihnachtsschinken. Hast du die Bratpfanne in
Ordnung, Mutter?"
"Ihr könnte mich doch nicht braten, bevor ich mir den Schmutz von den
Fingern gewaschen habe", sagte Tjovik.
"Warte nur", sagte der Troll. "Du wirst schon gewaschen werden, darauf
kannst du dich verlassen."
Und dann setzte er den Knirps an den Rand der Quelle und schüttete
Wasser über ihn.
"So wird das nichts", rief Tjovik. "Du mußt schone eine Bürste und Seife
herholen."
"Das ist ja ein strenger kleiner Herr", brummte der Troll und ließ ihn
los, um eine Bürste zu holen.
Im gleichen Augenblick sprang der kleine Kobold in den Holzschuh, zog
sein Taschenmesser heraus und schnitt die Schnur durch, die ihn
festhielt.

Heisa! Der Holzschuh folgte sofort der Strömung unter die Felswand.
Jåmpa und Skimpa stießen gleichzeitig so ein Geheul aus, daß das
Trommelfell hätte zerspringen können. Aber der kleine Kobold schwenkte
seine Zipfelmütze und schrie: "Hurra!"
Der Strom führte den Holzschuh mit dem kleinen Passagier durch den
unterirdischen Kanal hinaus in den Bach, der am Hof vorbeifloß. Dort
sprang der Knirps an Land und ging nach Hause. Aber die Goldkette hatte
er verloren, als der Troll Wasser über ihn geplanscht hatte.
Um ein Haar hätte der kleine Kobold vom Vater und auch vom Großvater für
sein dummdreistes Verhalten Prügel bezogen. Aber er kam noch einmal so
davon, weil er vorher noch nie etwas ausgefressen hatte. Und er mußte
versprechen, niemals mehr nach anderen Schätzen zu suchen als solchen,
die man durch nützliche Arbeit verdienen kann. Und dieses Versprechen
hat er als ehrlicher Kobold auch immer gehalten.