[rohrpost] Pillenmafia 1 Netzkunstwörterbuch 0

sebastian at rolux.org sebastian at rolux.org
Mon Jan 24 15:23:03 CET 2005


 > From: mw at weisskunst.de
 > Subject: [rohrpost] netzkunstworterbuch.de gehackt!
 > Date: January 24, 2005 13:30:42 CET
 > To: rohrpost at mikrolisten.de
 >
 > Moin Liste,
 >
 > habt Ihr Erfahrungen mit offenen Wikis? Wisst Ihr, ob es Killerskripte
 > gibt, die automatisiert Seiten ändern und die Verzeichniseiträge
 > umschreiben können?
 >
 > Passiert ist dies auf http://www.netzkunstwoerterbuch.de von Antje
 > Eske und Kurd Alsleben.
 >
 > [...]
 >
 > Eine schnelle Doku:
 >  
http://wiki-institute.com/cgi-bin/twiki/bin/view/Wikinachrichtendienst/ 
NetzVandalen

und dort:

 > Pillen-Mafia kapert Netzkunstwörterbuch
 >
 > UPDATE 11.21: Die Katastrophe. Gerade checken Sascha und ich das
 > swiki. Es ist per automatisiertem Verfahren das komplette System
 > gehackt. Nicht nur die Texte, auch die Titel von 50 Einträgen sind
 > versaut worden. Unten belegen ein paar Bilder das Desaster. Gerade
 > habe ich mit Kurd telefoniert. Er ist selbstredend sehr betrübt.
 > Bislang war das swiki keiner Beeinträchtigung ausgesetzt. Kurd
 > Alsleben: "Wir waren immer ganz stolz, dass nie etwas passiert war."
 >
 > Bei dem routinemäßigen Ansteuern der Wiki-Site
 > http://www.netzkunstwoerterbuch.de, welche von Antje Eske und Kurd
 > Alsleben, Pionieren der Hypertext-Kunst-Konversation (s. Mutual ->
 > http://wiki-institute.com/cgi-bin/twiki/bin/view/Mutual) betrieben
 > und gepflegt wird, ist am 21. Januar eine Attacke russischer Spammer
 > auf die Startseite verübt worden. Gegen jeden Anstand und gegen jede
 > Netiquette hat der Verbrecher die Inhalte gelöscht und mit Links auf
 > Schrottseiten getauscht.


Nabend Netzkultur,

habt Ihr Erfahrungen mit Mailinglisten? Wisst Ihr, ob es Filterskripte
gibt, die E-Mails, die mit "Moin Liste" beginnen, automatisch als Spam
erkennen können?

In dieser unhöflichen Anrede nämlich kündigt sich die spezifische Form
von Dummheit, die dann erst folgt, bereits an. Es gibt da ein deutsches
"Netzkunstwörterbuch", das die vier Einträge "vicodin", "valium",
"adipex online" und "xanax" enthält - und statt über dieses Geschenk des
Himmels dankbar zu sein, oder sich zumindest mal, zum Beispiel unter
http://en.wikipedia.org/wiki/Wikispam, der Tatsache zu versichern, dass
sie nicht allein auf der Welt sind, behaupten seine Betreiber, ihre
Seite, auf der ja jedes Schulkind, das hinter "wget ... --post-data=..."
noch die Return-Taste trifft, seine Tags hinterlassen kann, ohne die
Website auch nur einmal gesehen zu haben, sei "gehackt" worden, von
"Killerskripten", "NetzVandalen", der "Pillen-Mafia", "russischen
Spammern", einem "Verbrecher", der durch eine "bei dem routinemässigen
Ansteuern verübte Attacke" ihr Schrottwörterbuch in eine Netzkunstseite
verwandelt hat, was "die Katastrophe", "das Desaster" schlechthin
darstellt, nicht weil ein paar Texte und Titel "versaut" worden sind,
sondern weil sie die Einträge für "Anstand" und "Netiquette" werden
aktualisieren müssen: "Litt unter der Automatisierung des Internet.
Wurde jahrelang von uns gepflegt. Verstarb am 21. Januar 2005."

Wenn Netzkunst bedeutet, "immer ganz stolz" gewesen zu sein, "dass nie
etwas passiert war", dann muss sie, will sie ihren Stolz nicht
verlieren, dafür sorgen, dass auch in Zukunft nie etwas passieren wird.
Ein Anliegen, bei dem sie von mächtigen Verbündeten geradezu umstellt
ist, die sich zwar nie für sie interessieren, sie aber immer
unterstützen werden, weil sie, statt den Reichtum der technischen
Möglichkeiten zu feiern, nur die Armut deren Gebrauchs demonstriert.
Die E-Mail, die ich hier beantworte, ist kein besonders wichtiges
Beispiel, aber ein ziemlich gutes.