[rohrpost] transmediale.07 conference 'unfinish!'

Andreas Broeckmann abroeck at transmediale.de
Mit Dez 20 19:51:03 CET 2006


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Newsletter vom 20.12. 2006

transmediale.07
unfinish!
31.1. - 4.2. 2007
Akademie der Kuenste
Berlin, Hanseatenweg 10

Konferenz
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1. Konferenz 'Unfinsh!'
2. Keynotes: Stelarc, Kroker, Kittler
3. Panel: Unfinishing Creation
4. Panel: Unfinished Cities
5. Panel: Oeffnen und Schliessen, Beginnen und Enden
6. Panel: Die Medienlandschaft im Irak
7. Panel: Whatever happened to Tactical Media?
8. Panel: Viele Jahre Videokunst
9. Panel: Media Art Undone

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1. Konferenz 'Unfinsh!'

Die Konferenz der transmediale.07 beschaeftigt sich unter dem Titel unfinish!
mit dem Phaenomen der Endlichkeit in Kunst, Wissenschaft, Architektur,
Informatik und Politik. Die digitale Kultur der Gegenwart scheint weder willens
noch in der Lage, endgueltige Festlegungen und abgeschlossene Prozesse zu
akzeptieren. Stattdessen gehoeren Prozessualitaet und unendlich aufeinander
folgende Updates und Versionen zum Credo einer aktuellen kulturellen Praxis.

Die Konferenz der transmediale.07 begibt sich in den Zwiespalt zwischen dem
Wunsch, verfestigte Strukturen und Situationen stets wieder oeffnen zu koennen
und dem Fluch der digitalen Arbeit, die keinen Abschluss, sondern nur stets
vorlaeufige Versionen kennt. In dieser Diskussion spielen Aspekte wie Oeffnung,
Abschliessung und Neubeginn immer wieder eine zentrale Rolle. Sie 
werden von den
Sprecherinnen und Sprechern der Konferenz im Rahmen von sieben Panels und drei
Einzelvortraegen anhand anschaulicher Beispiele auf kuenstlerische und
gesellschaftspolitische Fragestellungen angewandt.

Die Konferenz der transmediale.07 findet statt in Zusammenarbeit mit der
Bundeszentrale fuer politische Bildung.

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2. Keynotes: Stelarc, Kroker, Kittler

Keynote Stelarc (au)
Donnerstag, 1.2. 2007, 20 Uhr, Akademie Hanseatenweg, Studio 1

Der australische Kuenstler Stelarc befasst sich in seinem Vortrag mit den
Moeglichkeiten einer Verbesserung des menschlichen Koerpers und mit dessen
Folgen fuer die Wahrnehmung von Subjektivitaet. Stelarcs Arbeit konzentriert
sich auf die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine und auf die Beziehung
des menschlichen Koerpers zu einer sich immer weiter entwickelnden Technologie.
Seine Projekte sind Versuche, den 'state of the art' der Wissenschaft am
menschlichen Koerper zu erproben. In seiner Vortrags-Performance beschreibt
Stelarc, wie er die Unvollkommenheit seines eigenen Koerpers ausgleicht und ihn
mit Technologie ausstattet: Im Rahmen des Projekts '1/4 Scale Ear' liess sich
der Kuenstler juengst ein drittes Ohr in seinen Arm einsetzen. Die weiche
Prothese wurde aus menschlichen Zellen gezuechtet. Dabei betrachtet Stelarc die
Ohr-Prothese nicht als Zeichen eines physischen Defizits, sondern als Symbol
fuer ein zusaetzliches Merkmal. Auf diese Weise versucht er, die Formen und
Funktionen des menschlichen Koerpers zu erweitern und laesst ein posthumanes
Mensch-Maschine-Hybrid entstehen, das den natuerlichen Koerper in Frage stellt.
Moderator: Florian Roetzer (de)

Keynote Arthur Kroker (ca)
Freitag, 2.2. 2007, 18 Uhr, Akademie Hanseatenweg, Studio 1

Arthur Kroker war in den 1990er Jahren einer der wichtigsten Theoretiker der
entstehenden Cyber-Kultur. Heute gehoert er zu den aufmerksamsten Kritikern der
globalen digitalen Kultur, die aus den Utopien des ausgehenden 20. Jahrhunderts
hervorgegangen ist. Sein Vortrag 'Changing the New World Order' analysiert die
Wiederaufnahme scheinbar abgeschlossener aber unvollendeter Geschichten in
einer durch den globalen technischen Wandel veraenderten Gesellschaft. Kroker
versteht die Entwicklung von Technologien als Teil einer globalen Kultur, die
auch die Bereiche Politik, Kultur und Gesellschaft umfasst.
Moderator: Florian Roetzer (de)

Keynote Friedrich Kittler (de)
Samstag, 3.2. 2007, 18 Uhr, Akademie Hanseatenweg, Studio 1

Kittler ist Inhaber des Lehrstuhls fuer Aesthetik und Geschichte der Medien der
Humboldt Universitaet Berlin. In seinem Vortrag stellt er seine aktuellen
Forschungen zu Maschinen-, Medien- und Musiktheorie vor und fragt nach der
Bedeutung von Reversibilitaet und Endlosschleife - eine Schleife, die nach
jeder Abarbeitung erneut prozessiert wird, sofern aeussere Einfluesse dies
nicht unterbinden. Welche Macht verbirgt sich in dem Wissen, das in Computern
und ihren Algorithmen steckt?
Moderator: Wolfgang Coy (de)

In Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale fuer politische Bildung
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3. Panel: Unfinishing Creation
Donnerstag, 1.2. 2007, 15 Uhr, Akademie Hanseatenweg, Studio 1

Das Panel 'Unfinishing Creation' beschaeftigt sich mit dem Verhaeltnis von
Mensch, Wissenschaft und Zukunft. Anhand der kuenstlerischen Auseinandersetzung
mit aktuellen wissenschaftlichen Themen, vor allem aus dem Bereich der
Lebenswissenschaften, behandelt das Podium Fragen der Offenheit, der konstanten
Transformation sowie der staendigen Erneuerung und Entstehung in unserer
heutigen Gesellschaft. Es wird untersucht, ob Konzepte der Reversibilitaet, der
Zeit, der Fehler und des Fortschritts einen Widerspruch zwischen den
Auffassungen der Kuenstler und Wissenschaftler darstellen. Stellen die
Naturwissenschaften den Kuenstlern und Wissenschaftlern heute neue Werkzeuge
zur Verfuegung, um ihre eigenen Disziplinen zu erweitern und unsere
Gesellschaft neu zu erforschen und zu verstehen? Ist das Konzept des 'offenen
Lebenssystems' ein tragfaehiges neues Paradigma? Und welche Auswirkung haben
die sich veraendernden Medien und Technologien auf unsere kognitiven Strukturen
und auf das Entstehen neuer kuenstlerischer Praxen?
Moderator: Stefan Iglhaut (de)
Teilnehmer: Ingeborg Reichle (de), Warren Neidich (us/de)

In Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale fuer politische Bildung
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4. Panel: Unfinished Cities
Freitag, 2.2. 2007, 15 Uhr, Akademie Hanseatenweg, Studio 1

Die Phaenomene der vielschichtigen Stadtentwicklung und Urbanisierung gehoeren
zu den zentralen Themen der aktuellen globalgesellschaftlichen Kultur. Waehrend
man es in den Laendern der 'traditionellen' Industrialisierung mit
'schrumpfenden Staedten' zu tun hat, sind die wachsenden Megalopolen vor allem
in Lateinamerika, Asien und Afrika von immensen Prozessen des Wucherns
gepraegt. Das Panel 'Unfinished Cities' stellt Positionen vor, die sich diesem
Wuchern und der Unsicherheit, die es mit sich bringt, nicht als Stoerung,
sondern als Potenzial widmen. Das Bild der permanent nicht zu Ende gebrachten,
unsicheren und komplexen Stadt schafft neuartige raeumliche Konstellationen,
die die urbane Praxis der Aneignung und das Schaffen neuer Formen von
Oeffentlichkeit forcieren und dabei den Zustand des Abgeschlossenseins
unmoeglich machen.
Moderator: Regina Bittner (de)
Teilnehmer: AbdouMaliq Simone (za/uk), Orhan Esen (tr)

In Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale fuer politische Bildung
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5. Panel: Oeffnen und Schliessen, Beginnen und Enden
Sonntag, 4.2. 2007, 14 Uhr, Akademie Hanseatenweg, Studio 1

Das Panel mit Byung-Chul Han und Thomas Macho befasst sich aus philosophischer
Sicht mit Figuren des Schliessens und des Oeffnens. Anhand einer
Gegenueberstellung von abendlaendischer Innerlichkeit und fernoestlicher
Offenheit gehen die Sprecher verschiedenen Denktraditionen in West und Ost
nach.
Teilnehmer: Byung-Chul Han (kr/ch), Thomas Macho (de)

In Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale fuer politische Bildung
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6. Panel: Die Medienlandschaft im Irak
Freitag, 2.2. 2007, 12 Uhr, Akademie Hanseatenweg, Studio 1

Die zukuenftige Entwicklung im Irak ist massgeblich davon abhaengig, ob ein
Verhandlungsprozess zwischen den Konflikt-Gruppen in Gang gebracht wird oder ob
gegenseitige Abgrenzung und Isolation sich verhaerten. Die Rolle der 
Medien darf
in diesem Prozess nicht unterschaetzt werden: In den Medien wird kommuniziert,
kommentiert und reflektiert, durch die Medien werden konkret Meinungen gemacht
und Stimmungen mobilisiert. Die Medienlandschaft im Irak ist seit dem Fall des
Regimes unkontrolliert in alle Richtungen gewachsen und gewuchert, und die
Berichterstattung in den irakischen Medien ist so vielschichtig und komplex wie
die Konfliktlage selbst. Das Gespraech mit irakischen Journalisten und
Kuenstlern geht der Frage nach, welche Rolle Medien in der Entwicklung der
Konflikte spielen und wie die Gratwanderung zwischen Meinungsfreiheit und
Ueberlebenswille gestaltet wird. MICT (Media in Cooperation & Transition)
fuehrt mit einem Impulsreferat in die Thematik ein, illustriert mit Video- und
Audiomaterial aus den MICT Archiven.
Moderation: Anja Wollenberger & Klaas Glenewinkel (de)
Teilnehmer: Ali Badr (iq), Ismail Zayer (iq)

In Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung
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7. Panel: Whatever happened to Tactical Media?
Donnerstag, 1.2. 2007, 16 Uhr, Akademie Hanseatenweg, Salon

Eines der wichtigsten Ziele des Videoaktivismus war, eine kollaborative Kultur
zu erzeugen. Auf diese Kooperation und Vernetzung bauen Praktiken auf, die
Unabhaengigkeit bewahren und verkoerpern. Koennen die gegenwaertigen
Online-Dienste wie YouTube oder Flickr neue kulturelle Identitaeten schaffen
sowie neue Bereiche des Dialogs und der Kritik eroeffnen? Welche politische
Bedeutung hat das Internet heute als Werkzeug fuer kollaborative Produktion?
Wie wichtig sind Unabhaengigkeit und Do-It-Yourself-Praxis im Zeitalter von Web
2.0? Und welche Relevanz hat der taktische Mediengebrauch heute noch?
Einfuehrung und Moderation: Joanne Richardson (ro)
Teilnehmer Teil 1: Baerbel Schoenafinger (de/at), Katsiaryna Herasenkava &
Pauluk Kanavalchyk (by), Anastasia Nekozakova (ru)
Teilnehmer Teil 2: Petko Dourmana (bg), Fran Ilich (mx), Micz Flor (de)

In Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale fuer politische Bildung
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8. Panel: Viele Jahre Videokunst - Historische Rueckblicke auf Kunst und Medien
Mittwoch, 31.1. 2007, 15 Uhr, Akademie Hanseatenweg, Studio 1

Im Fruehling 2006 wurde in fuenf deutschen Museen das Projekt '40 Jahre
Videokunst in Deutschland' praesentiert. Eine umfangreiche DVD-Edition von
ueber 50 Einzelarbeiten in Verbindung mit einem Katalogband (Hatje Cantz
Verlag) versucht, das kuenstlerische Schaffen mit Video in Deutschland seit
Mitte der 1960er Jahre zu beschreiben. Die transmediale.07 zeigt im Rahmen
ihres Jubilaeumsprogramms diese DVD-Edition und bemueht sich um eine Evaluation
in einem breiteren und internationalen Kontext. Hierzu werden vergleichbare
Projekte aus anderen Laendern eingeladen. Die Podiumsdiskussion mit den Machern
von '40 Jahre Videokunst' und internationalen KollegInnen strebt eine 
kritischen
Einschaetzung solcher Dokumentations- und Uebersichtsprojekte an.
Teilnehmer: Chris Hill (us), Barbara Borcic (si), Wulf Herzogenrath (de), u.a.

In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut
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9. Panel: Media Art Undone
Samstag, 3.2. 2007, 15 Uhr, Akademie Hanseatenweg, Studio 1

Die Teilnehmer dieses Panels diskutieren Fragen rund um das Feld und den
Terminus der 'Medienkunst'. Ist es an der Zeit, die Marke 'Medienkunst'
loszulassen und eine Re-Integration der medienbasierten Kunstpraxis in den
weiteren Kunstdiskurs anzustreben? Sind die Definitionen der Medienkunst und
kultureller Medienpraxis, die ihre - positiven und negativen - Abgrenzungen
begruendet haben, noch immer gueltig?
Moderator: Miguel Leal (pt)
Teilnehmer: Diedrich Diederichsen (de), Inke Arns (de), Olia Lialina (ru/de),
Timothy Druckrey (us)

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transmediale.07
unfinish!
festival for art and digital culture berlin
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transmediale.07  -  31 january - 4 february 2007
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tel. +49 (0)30.24749-761 fax. +49 (0)30.24749-814
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