[rohrpost] zum zustand des orgien übernahme risikotheaters

illinois onoma bandit onomastik at braan.org
Don Aug 12 11:08:12 CEST 2004


Im aktuellen Journal Frankfurt präsentieren sich die Mitglieder des 
"Kuratoren-Kollektiv Unfriendly Takeover" als "Protagonisten des 
Frankfurter Undergrounds".

Das macht mir Angst; nicht nur die Arschfick-Allianz der ehemaligen 
Direktoren-Riege der Frankfurter Institutionen der kontemplativen 
Kunstüberschätzung, nicht nur die schizoiden Geschäfte eines 
Kunstvereinsdirektorats mit sich selbst, auch aus dem Umfeld des 
Mousonturms sind immer mehr Provokationen zu vermelden. Dieter Buroch 
bereichert sich durch Esoterik-Seminare und nutzt dazu die Reputation 
seines Hauses, und jetzt kommen auch noch Theatergruppen und wollen als 
kollektiv kuratierende Armee-Fraktionen mit dem Kunst-Unsachverstand 
hierzulande aufräumen.

Ich lese aus derartigen Journal-Texten – und die flattern einem ja 
zuhauf auf den Tisch – lediglich ein recht ungesundes Selbstbewusstsein 
in Richtung Selbstüberschätzung einer Gilde, die sich "Kurator" nennt. 
Also auch "Pfleger". Aber *was* pflegt denn schon eine Theatergruppe 
denn anderes, als seinen Ruf, der ihr durch die Institution "Festival" 
und eine gute Packung steuerbezahlten Bildungsbürgertums gegeben wurde 
(Quereinstiege sind aber besonders willkommen). Was macht er in seiner 
Arbeit anderes, als das kreiern von zahlungspflichtigen 
Kleinstereignissen mit Resten aus der Arbeit von anderen Menschen, 
welche durch diverse Zuschreibungsverfahren das Gütesiegel "Kunst" 
aufgebrannt bekommen?

Ich finde, daß diese Markt-Struktur sehr gut zur Gegenwart paßt. Ich 
denke aber, daß man nun an einem Zeitpunkt ist - spätestens seit 
einigen völlig verhunzten Großnummern wie MMK, Kulturschirn oder das 
MAK, an dem die Kuratorengilde ein wenig gelassener betrachtet und 
weniger hochtemperiert gehandelt werden sollte.

An manchen Orten strahlt die Macht der Kuratoren noch heller, denn sie 
verdrängt Ausstellungsmacher, die als Ressource vor Ort stehen. Ich las 
neulich in der "rohrpost", dass eine der prominentesten Kuratorinnen 
unseres Landes für ein Thesenpapier (zu einer Ausstellung) 40.000 Euros 
überwiesen bekommen hat. Und dann musste das Paper noch von den 
"Lohndrohnen" vor Ort korrigiert werden (sowohl was das Konzept als 
auch die Künstlerliste anging).

Also dieses Hintertreppenargument gegen die Gewichtigkeit 
vermeintlicher Kuratorenfehlleistungen soll nur zeigen, dass hier eine 
längst bemerkte Profiteuren-Gilde heran gewachsen ist, die über den 
Main zieht und mit vermeintlicher Aura, die off-spaces ja vermeintlich 
nicht mehr besitzen, und mit hoher Ablösesumme, uns Wohlstandsscheißern 
die Kunst Nordpol bis zum Südpol (inkl. Inuit"kunst" etc) vor Augen 
führen.

Also wenn sich die oberen 30 nicht mäßigen in ihrer Vermessenheit Kunst 
zu definieren, sollten wir an dieser Stelle nicht auch noch Zeit an 
ihren Sud aus ungegeorenem Pseudokunstverständnis verschwenden, sondern 
eher mal die Frage nach einer Alternative zum Kuratorenmodell in 
medienkünstlerischen Kontexten fragen.