[spectre] Newsletter | Vergabe der Stipendien der Stiftung Niedersachsen für Medienkunst am Haus für Medienkunst 2026
Haus für Medienkunst Oldenburg
info at hausmedienkunst.de
Fri May 8 10:23:53 CEST 2026
Newsletter | Vergabe der Stipendien der Stiftung Niedersachsen für Medienkunst am Haus für Medienkunst 2026
++++++++++++++++++++Please scroll down for English Version++++++++++++++++++++
Die Stipendien der Stiftung Niedersachsen am Haus für Medienkunst 2025 gehen an: Basir Mahmood, Syaura Qotrunadha, Romana Schmalisch & Robert Schlicht
Für den diesjährigen Preis gingen insgesamt 359 Bewerbungen aus der ganzen Welt ein, die ein sehr hohes Maß an Professionalität aufwiesen. Wir möchten allen Künstlerinnen und Künstlern für ihre Bewerbung danken und den damit einhergehenden Aufwand würdigen.
Viele der eingereichten Bewerbungen versuchten, auf eine Welt zu reagieren, die sowohl von vergangenen als auch gegenwärtigen Konflikten geprägt ist und gleichzeitig zunehmend durch künstliche Intelligenz und algorithmische Kräfte gefiltert wird, die unsere Wahrnehmung von Gesellschaft und Umwelt umgestalten. Die Auseinandersetzung mit autobiografischen, lokalen und ortsbezogenen Geschichten im Rahmen langfristiger, forschungsorientierter Ansätze war ebenfalls ein roter Faden in den eingereichten Arbeiten.
Die von der Jury ausgewählten Stipendiatinnen und Stipendiaten sind:
Basir Mahmood
Basir Mahmood ist ein Künstler, der zwischen Lahore und Amsterdam lebt und mit Video, Film und Fotografie arbeitet.
Basir Mahmood setzt sich mit den Hinterlassenschaften der Geschichten auseinander, die nach dem Niedergang der „Lollywood“-Filmindustrie in Lahore, Pakistan, zurückgeblieben sind. Er wird eine Mehrkanal-Installation entwickeln, in deren Mittelpunkt Filmkostüme stehen, die vom Designer Abbas Dress Master entworfen wurden, der über 45 Jahre lang in dieser Branche tätig war. Diese Kostüme – einst getragen von Helden, Schurken, Liebenden, Statisten und Nebendarstellern – tragen die physische Erinnerung an Figuren, Geschichten und Arbeit in sich, die durch Jahrzehnte des Filmemachens geprägt wurden. Die Multimedia-Installation betrachtet die Kostüme als aktive Akteure des Werks und bildet die Grundlage für einen kollaborativen Schreibprozess mit Lollywood-Drehbuchautoren.
Mahmood schreibt dazu: „Das Projekt hinterfragt, ob Lollywood durch seine eigene Ästhetik, seine Arbeitsstrukturen und Erzählweisen sein Ende nicht als Verschwinden, sondern als Transformation artikulieren kann, die die sich wandelnden sozialen, politischen und kulturellen Bedingungen der Gegenwart widerspiegelt.“
Die Jury war beeindruckt von der Fokussierung auf spezifische Ausschnitte der Kulturgeschichte innerhalb der Filmindustrie in Lahore; im weiteren Sinne thematisiert das Projekt das Erbe vernachlässigter Räume kultureller Produktion und der dort geleisteten Arbeit, die als Ausgangsmaterial für Sozialgeschichten neu interpretiert werden.
Syaura Qotrunadha
Syaura Qotrunadha ist eine Künstlerin aus Indonesien, die mit historischen und digitalen Archiven in verschiedenen Medien arbeitet.
Qotrunadhas Projekt ist eine ausstellungsbezogene Weiterentwicklung einer Reihe von Videoarbeiten, die sich mit dem indonesischen Bildungssystem und gesellschaftlichen Überzeugungen auseinandersetzen, die durch die Kolonialgeschichte, Landenteignungen und Zukunftsvisionen geprägt sind. Jedes Video erzählt eine Geschichte des Widerstands gegen den Kolonialismus und der anhaltenden Komplexität der postkolonialen Situation. Dieses ambitionierte Projekt, das natürliche Elemente und generationenübergreifend denkt, lässt lokales und traditionelles Wissen in die Neugestaltung der Zukunft einfließen.
Laut der Künstlerin „versucht dieses Projekt, die Geschichte neu zu beleuchten und untersucht, wie postkoloniale Nationen zeitgenössische Wissenschaft und Technologie anders nutzen können“.
Die abschließende Präsentation wird als aufwendige Videocollage mit Elementen einer skulpturalen Installation entwickelt, die auf eine Erforschung zukünftiger Mensch-Technologie-Beziehungen reagiert.
Romana Schmalisch & Robert Schlicht
Dieses Projekt ist eine Zusammenarbeit des in Berlin lebenden Künstlerduos Romana Schmalisch & Robert Schlicht, die an der Schnittstelle von Film und Theorie untersuchen, wie historische Prozesse und gesellschaftliche Strukturen im Film dargestellt werden können.
Anhand des historischen Briefwechsels zwischen studentischen kommunistischen Gruppen in Albanien und Westdeutschland in den 1970er Jahren beleuchtet das Projekt, wie Gesellschaft und soziale Ideale aus der Distanz imaginär konstruiert und dargestellt werden.
Die geplante Dreikanal-Filminstallation kombiniert Dokumentarmaterial aus dem Filmarchiv von Tirana und Amateuraufnahmen von Touristenbesuchen im sozialistischen Albanien der 1970er und 80er Jahre sowie Aufnahmen der Villa und ehemaligen Residenz des albanischen Staatschefs Enver Hoxha, die bis vor kurzem für die Öffentlichkeit gesperrt war und seit dem Fall des kommunistischen Regimes ungenutzt blieb. Heute ist die Villa Standort einer Künstlerresidenz und von Hochhäusern und anderen städtischen Bauprojekten umgeben; sie steht damit als Symbol für sozialen und ideologischen Wandel. Die Arbeit reflektiert die Herausforderungen bei der Bildkonstruktion und Darstellbarkeit sozialer Transformationen.
Die Jury: Hajra Haider Karrar (SAVVY Contemporary Berlin), Matt Packer (EVA International Ireland), Edit Molnár (HMK), Marcel Schwierin (HMK).
Das Stipendienprogramm
Ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen hat das Haus für Medienkunst für das Jahr 2026 drei sechsmonatige und mit 12.500 Euro dotierte Arbeitsstipendien vergeben. Insgesamt hatten sich 359 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt für die Stipendien beworben. Die Stiftung Niedersachsen fördert das Stipendienprogramm des Hauses für Medienkunst kontinuierlich seit 2001. Viele der in Oldenburg entstandenen Arbeiten wurden nach ihrer Realisierung in internationalen Ausstellungen präsentiert und mit Preisen ausgezeichnet. Mit ihrer Förderung will die Stiftung Niedersachsen eines der führenden Häuser für Medienkunst in Deutschland nachhaltig stärken, seine an Qualität orientierte Profilierung unterstützen, um so die Schaffung von Kunst zu ermöglichen und internationale Vernetzungen und lokale Anknüpfungspunkte zu schaffen.
++++++++++++++++++++English Version++++++++++++++++++++
Grants for Media Art of the Stiftung Niedersachsen at the Haus for Media Art 2026 go to: Basir Mahmood, Syaura Qotrunadha, Romana Schmalisch & Robert Schlicht
For this year’s prize, we received a total of 359 applications in total, with a very high standard of professionalism overall. We’d like to thank all artists for their application and acknowledge the labour entailed in this process.
Many of the applications sought to respond to a world that is both haunted by past and present conflicts, while at the same time increasingly filtered by artificial intelligence and algorithmic powers that reconfigure our social and environmental perceptions. The revisitation of autobiographical, local and place-based stories, through long term, research driven, approaches were also common threads of practice.
This years’ grantees selected and announced by the jury:
Basir Mahmood
Basir Mahmood is an artist based between Lahore and Amsterdam, working with video, film, and photography.
Addressing the embodied histories that remain in the aftermath of the ‘Lollywood’ film industry in Lahore, Pakistan, Basir Mahmood will develop a multi-channel installation that centres on film costumes produced by designer, Abbas Dress Master, who worked in the industry for over 45 years. These costumes – once worn by heroes, villains, lovers, extras, and bystanders – carry the physical memory of characters, stories, and labour shaped by decades of filmmaking. The multi-media installation sees the costumes as active agents in the work, forming the basis of a collaborative writing process with Lollywood screenwriters.
As Mahmood writes: ‘the project asks whether Lollywood, through its own aesthetics, labour structures, and modes of storytelling, can articulate its ending not as disappearance, but as transformation, reflecting the changing social, political, and cultural conditions of the present.’
The jury were compelled by the focus on the specific vignettes of cultural history within the film industry in Lahore, the project more broadly speaks to the legacies of discarded spaces of cultural production and its labour; reimagined as source material of social histories.
Syaura Qotrunadha
Syaura Qotrunadha is an artist from Indonesia working with historical and digital archives across various media.
Qotrunadha’s project is an exhibitionary development of a series of video works that explore Indonesia's education system and societal beliefs shaped by colonial history, land acquisition, and visions of the future. Each video tells a story of resistance to colonialism and the lingering complexities of the postcolonial condition. Thinking through natural elements and across generations this ambitious project imbues local and traditional knowledge in reimagining the future. According to the artist ‘this project tries to reexamine history and explores how postcolonial nations can repurpose contemporary science and technology.’
The final presentation will be developed as an elaborate video collage with elements of sculptural installation that respond to an exploration of future human-technology relationships.
Romana Schmalisch & Robert Schlicht
A collaboration between Berlin-based artists Romana Schmalisch and Robert Schlicht, working at the interface of film and theory to examine how historical processes and societal structures can be represented in film.
Using the historical correspondence of student-led communist groups between Albania and West-Germany in the 1970s, the project looks at how society and social ideals are imaginatively constructed and represented at a distance.
The proposed three-channel film installation will combine documentary materials from the Tirana Film Archive and amateur footage from tourist visits to Socialist Albania in the 1970s and 80s, as well as views of the villa and former residence of Albanian Head of State Enver Hoxha, until recently closed off from public view and dormant since the fall of the communist regime. Now the site of an artist residency and newly surrounded by skyscrapers and other urban developments, the villa comes to represent a cipher of social and ideological change. The work reflects on the challenges in the image construction and representability of social transformations.
The jury: Hajra Haider Karrar (SAVVY Contemporary Berlin), Matt Packer (EVA International Ireland), Edit Molnár (HMK), Marcel Schwierin (HMK).
The grant programme
The Haus for Media Art has awarded three six-months work grants for 2026. 359 artists from all over the world have applied for the grants. The grants of 12.500 Euro are sponsored by Stiftung Niedersachsen. Stiftung Niedersachsen sponsors the grants at Haus für Medienkunst continually since 2001. Many of the works developed in Oldenburg have been shown in international exhibitions and have been awarded various prizes. With their support Stiftung Niedersachsen intends to encourage one of the leading sites for media art in Germany, in its highly qualitative profiling to make art creation possible and to create international networks as well as local cooperations.
*****************************************************************************************************
Haus für Medienkunst
Katharinenstr. 23
D-26121 Oldenburg
t. +49 (0) 441 - 235 3208
f. +49 (0) 441 - 235 2161
http://www.hausmedienkunst.de
Sollten Sie keine Informationen mehr von uns erhalten wollen, benachrichtigen Sie uns bitte unter unserer Email-Adresse:
info at hausmedienkunst.de
Informationen zur Verarbeitung Ihrer Daten erhalten Sie unter www.oldenburg.de/datenschutz oder unter 0441 235-4444
If you don't want to receive our newsletter anymore, please contact us by email:
info at hausmedienkunst.de
Information about storage and processing of your data is available at www.oldenburg.de/datenschutz or +49 (0)441 235-4444
-------------- next part --------------
An HTML attachment was scrubbed...
URL: <http://post.in-mind.de/pipermail/spectre/attachments/20260508/34a97a26/attachment-0001.html>
-------------- next part --------------
A non-text attachment was scrubbed...
Name: f3985528-6d6b-4d71-a03d-67d9e2bc8b87.bmp
Type: image/bmp
Size: 9937 bytes
Desc: not available
URL: <http://post.in-mind.de/pipermail/spectre/attachments/20260508/34a97a26/attachment-0001.bin>
More information about the SPECTRE
mailing list