[rohrpost] DANUBE TELELECTURE from the MUMOK, Vienna : Myths of Immateriality

Armin Medosch armin at easynet.co.uk
Don Mai 24 23:01:24 CEST 2007


Florian

danke fuer deinen sehr erhellenden beitrag. da moechte ich auch die
gelegenheit ergreifen, dir zum media art research preis zu gratulieren.
deine faktennahe art der recherche allein macht dich einen
verdienstvollen gewinner.

ja diese telelectures der danube university. da frage ich mich wer hier
so augenzwinkernd die mythen der immaterialitaet dekonstruiert. sind das
nicht etwa die gleichen, die gestern noch vor lauter immaterialitaet gar
nicht aus dem schwaermen kamen?  

was indes die schuld des brav vor sich hinwirtschaftenden
bildwissenschaftlers nicht sein kann, sind die probleme die es da mit
der schubumkehr nach rechts gibt:
http://derstandard.at/?url=/?id=2886474

und das ist auch nur symptomatisch fuer diese nach aufmerksamkeit
heischenden privatunis. 

je weiter weg man davon ist, desto weniger bekommt man mit. und dann
sieht alles immer gleich besser aus

gruss
Armin


On Thu, 2007-05-24 at 22:13 +0200, Florian Cramer wrote:
> Am Donnerstag, 24. Mai 2007 um 12:44:21 Uhr (+0200) schrieb Image Science:
> > DEPARTMENT FOR IMAGE SCIENCE  &  DATABASE OF VIRTUAL ART present
> > 
> 
> Entschuldigung, falls ich Euch zu nahe treten sollte, und meine Kritik
> ist auch nicht böse gemeint. Aber ich kann mir die Bemerkung nach
> häufigerem Lesen Eurer Ankündigungen nicht mehr verkneifen: Ich nehme
> an, "Image Science" steht für das, was in den deutschen Geistes- und
> Kulturwissenschaften seit Belting und Bredekamp (in Anschluß an Mitchell
> und Boehm) "Bildwissenschaft" heißt. Einem englischen Muttersprachler
> ist diese Übersetzung aber schlicht unverständlich, denn
> 
> (a) "image" bedeutet keineswegs dasselbe wie das deutsche Wort "Bild".
>     Abgeleitet vom altdeutschen "bilidi" steht "Bild" für etwas
>     geformtes oder formendes, wie es auch die Wörter "bilden", "Bildung"
>     und "Gebilde" konnotierten. "Image" hingegen bedeutet - in seiner
>     Abkunft von der lateinischen "imago" und "imitatio" -, immer die
>     Darstellung eines anderen. Wordnet z.B. definitiert "image"  als "a
>     visual representation (of an object or scene or person or
>     abstraction)", Webster als "a reproduction or imitation of the form
>     of a person or thing". (Auch in der Computertechnik spricht man
>     demtentsprechend z.B.  von einem "disk image". Und in einem
>     englischen Roman wie Joyces Ulysses steht das Wort "image", wie ich
>     spaßeshalber getestet habe, in seinen insgesamt 31 Vorkommnissen
>     nie ohne das Wort "of".) Die präzise Übersetzung von "image" 
>     ist daher nicht "Bild", sondern "Abbild".
> 
> (b) "science" bedeutet im Englischen nicht "Wissenschaft" im umfassenden
>     Sinne, sondern allein das, was im Deutschen "exakte Wissenschaften"
>     heißt, Mathematik und Naturwissenschaften. Daher ist ein studierter
>     Geisteswissenschaftler ein "Master of Arts" (M.A.), ein Mathematiker
>     oder Naturwissenschaftler ein "Master of Sciences" (M.S.). Begriffe
>     wie "Literaturwissenschaft", "Medienwissenschaft" oder
>     "Kulturwissenschaft" existieren nur im germanophonen (deutschen,
>     niederländischen, skandivanischen) Kontinentaleuropa - und
>     "literature science", "media science" oder "culture science" nur als
>     deren falsche Übersetzungen.  Englisch heißen diese Fächer
>     "literature", "media studies" und "cultural studies". 
> 
> Das beste anglophone Äquivalent des fast heideggersch-deutschen und
> daher kaum übersetzbaren Begriff "Bildwissenschaft" wäre "visual
> studies". 
> 
> "Image Science" wird nur gelegentlich im englischen Sprachraum
> verwendet, wenn die naturwissenschaftlich-technische Erforschung und
> Entwicklung optischer Systeme gemeint ist, z.B. bei der NASA oder der
> "Image Science & Machine Vision Group" des Oak Ridge National Laboratory
> (http://www.ornl.gov/sci/ismv/).
> 
> Florian
> 
> -- 
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