[rohrpost] CFP: Erkenntniswert Farbe (Berlin, 7.-8- Juli 2011)

Ingeborg Reichle ingeborg.reichle at kunstgeschichte.de
Mit Jan 12 20:23:48 CET 2011


CALL FOR PAPERS

Erkenntniswert Farbe

Tagung der Interdisziplinären Arbeitsgruppe »Bildkulturen«
der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

7.– 8. Juli 2011


Deadline für Vorschläge: 1. März 2011

Die Farbe ist keine Invariable, sondern ein Resultat kultureller
Codierung. Sie stellt einen wesentlichen Schlüssel zu unserem Selbst-
und Weltverständnis dar. Die vom 7. bis 8. Juli 2011 geplante Tagung
der Interdisziplinären Arbeitsgruppe »Bildkulturen« der
Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften widmet sich den
Bedingungen und Möglichkeiten unserer Farberkenntnis und reflektiert
unser Farbverständnis als gesellschaftlich codierte Komponente. Um den
blind spot der gesellschaftlich vermittelten Farbe ausfindig zu
machen, sollen philosophische, bildwissenschaftliche, linguistische,
psychologische, historische, kunst- und koloritgeschichtliche sowie
literarische Farbdefinitionen und Farbverwendungen in transkultureller
Sicht diskutiert und die Farbe in ihrer Dimension als Erkenntniswert
umfassend in den Blick genommen werden.

Bereits in der Antike wird Farbe zum Reflexionsgegenstand von
Philosophen, Kunsttheoretikern, Bildenden Künstlern und Dichtern. Zum
salonfähigen Thema avanciert die Farbdebatte jedoch erst mit Newtons
prismatischer Farberkenntnis, deren Diskussion einhergeht mit der
Einrichtung des ersten Lehrstuhls für Physik im Jahre 1730. Die
einsetzende Newtonrezeption und die damit verbundene Dispersion der
physikalischen Farbdebatten tragen wesentlich zur diskursiven
Entdeckung der Farbe bei. Spätestens seit Anfang des 19. Jahrhunderts
feiert die Farbthematik mit der Nobilitierung zum Gegenstand natur-
und geisteswissenschaftlicher Forschung Konjunktur: Die Diskurse
werden vernetzt, und entwickelt sich die quantitative Multiplikation
von Farbstudien Mitte des 19. Jahrhunderts zur qualitativen
Wissensexplosion: Nach der Disegno-Colore-Debatte und der gefeierten
Wiederentdeckung der Enkaustik als der Antike entstammenden Maltechnik
mit farbiger Wachsmalerei erhitzt Mitte des 19. Jahrhunderts die
Kontroverse »Monochromie vs. Polychromie« um die farblose oder
mehrfarbige antike Architektur die Gemüter genauso wie das Für und
Wider von Newtons Farbsystem oder Goethes Farbenlehre. Die Farbe wird
nicht nur zur zentralen und heftig umstrittenen Schnittstelle
chemischer und physikalischer, medizinischer, architektonischer,
wahrnehmungspsychologischer, kunsttheoretischer, ästhetischer und
künstlerischer Diskurse; vielmehr steht auch ihre Bedeutung in der
Literatur außer Zweifel, man denke lediglich an die Farbe Blau als
Signalmarker einer gesamten literarischen Epoche, als Sinnträger des
romantischen Sehnens nach Liebe und Glück.

Mit erkenntnistheoretischem und erkenntniskritischem Impetus will die
Tagung der Frage auf den Grund gehen, ob all unseren Farbwahrnehmungen
gesellschaftlich vermittelte und Perspektiven formende Komponenten
vorgelagert sind. In diesem Sinn konzentriert sich die Veranstaltung
auf die Bedeutungsdimension der Farbe in ihrer gesellschaftlichen
Verwendung und will auf den Erkenntniswert Farbe als Schlüssel zu
unserem Weltverständnis aufmerksam machen. Dabei sollte die kulturelle
Bedeutungsdimension der Farbe nicht unterschätzt werden. Jede
Gesellschaft prägt nicht nur ihre Zuteilung der Farbwerte auf
Farbwörter aus, sondern lädt die einzelnen Farben mit anderen
Bedeutungen auf.

Der CFP richtet sich an Postdoktorand/innen und Doktorand/innen der
Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften, die sich bereits auf dem
Gebiet der »Farbe« profiliert haben oder dies in ihrer momentanen
Forschungsarbeit tun. Mögliche Themenkomplexe der Tagung sind die
erkenntnistheoretische und -kritische Dimension der Farbe, Farbe und
Bildkultur im internationalen Vergleich, Farbe im interdisziplinären
Spannungsfeld von Kunst und Literatur sowie interkulturelle
literarische Farbvergleiche. Dieser multidisziplinäre Zugriff auf die
Farbe als Erkenntniswert soll anregende Gespräche über disziplinäre
Grenzen hinweg ermöglichen und die Bedeutung der Farbe mit all ihren
symbolischen Konnotationen, subjektiven Einwirkungen auf unsere
Wahrnehmung sowie ideellen Präfigurationen unserer Bildung und
Sozialisierung eruieren.

Mit der Interdisziplinären Arbeitsgruppe »Bildkulturen« erforscht die
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften anhand eines
ganzen Spektrums von akademischen Disziplinen – von der
Kunstgeschichte und Archäologie über Philosophie und Ethnologie,
Japanologie und Sinologie, Ägyptologie und Theologie bis hin zu
Mathematik, Biologie und Informatik – Phänomene transkultureller
Bildkulturen in einer zunehmend globalisierten Bildwelt.

Erbeten sind an die unten angegebene E-Mail-Adresse ein kurzes, nicht
mehr als einseitiges Abstract für eine halbstündige Präsentation sowie
ein knapper Lebenslauf mit Stichworten zu den Forschungsinteressen.
Stichtag der Einsendung ist Dienstag, der 1. März 2011. Die Erstattung
von Reise- und Übernachtungskosten ist voraussichtlich möglich.

Einsendungen bitte an: farbe at bbaw.de (Stichwort: Erkenntniswert Farbe).

Für weitere Informationen zur Interdisziplinären Arbeitsgruppe
»Bildkulturen« siehe
http://www.bbaw.de/bbaw/Forschung/Forschungsprojekte/Bildkulturen/de/Startseite

Wissenschaftliche Konzeption und Organisation:

Dr. Margrit Vogt und Dr. Ingeborg Reichle
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Interdisziplinäre Arbeitsgruppe »Bildkulturen«
Jägerstraße 22/23
D – 10117 Berlin